Artcorephoto | ARTCORE PHOTO BOOK BESPRECHUNGEN // RAINER FETTING PHOTOGRAPHY Edition Braus 2012
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ARTCORE PHOTO BOOK BESPRECHUNGEN // RAINER FETTING PHOTOGRAPHY Edition Braus 2012

>>> // RAINER FETTING  PHOTOGRAPHY//<<<

erschienen bei EDITION BRAUS 2012 – Hardcover, Grossformat, 500 Seiten, 3,5 kg, gebundener Ladenpreis reduziert von ehemals 98,00 €  auf jetzt 39,95 € (Stand März 2017)

eine ARTCORE PHOTO BOOK Besprechung von Dirk B. Schmitz ©

 

40 Jahre Neuen Wilden Künstlerlebens zwischen zwei Buchdeckeln

Gewiss ohne Übertreibung kann dieser Fotoband als umfassendes Zeitdokument bezeichnet werden, welches dem Betrachter die gesamte Zeitspanne des künstlerischen Schaffens Rainer Fettings von Anfang der 70er Jahre bis 2012 erschliesst. Das opulente Grossformat, ein Umfang von 500 Seiten und ein Gewicht von 3,5 kg sprechen schon für sich!

Die Kapitel des Buches teilen sich (entsprechend dem Inhaltsverzeichnis und Aufbau des Buches) chronologisch wie folgt auf: Leben in Westberlin 1972 – 1983 // Der New Yorker 1983 – 1994 // Besuche in Deutschland 1984 – 1994 // Berlin im Umbruch 1994 – 2000 // Los Angeles & Miami Beach 1989 – 2008 // Die Gegenwart 2005 – 2012 

Es ist vielleicht allgemein weniger bekannt, dass Fetting seine direkte Umgebung regelmässig und mit viel Leidenschaft fotografisch festhielt und dies bis heute tut. Er hat fast immer eine Kamera bei sich. Die Fotografien in diesem Band wurden vornehmlich von Rainer Fetting selbst aufgenommen. Da, wo er selbst auf ihnen zu sehen ist, macht es den Anschein, dass er seine eigene Kamera aus der Hand gegeben hat und von Personen aus seinem direkten persönlichen Umfeld fotografiert wurde.

Intime Offenlegungen eines fotografierenden Malers

Somit eröffnet sich mit dem vorliegenden Band ein etwas unbekannterer neuer Blick auf sein Schaffen. Die Fotografien besitzen eine lebensnahe Aura mit immenser künstlerfotografischer Kraft. Sie wirken selten gestellt und sind eher spontane Momentaufnahmen, die die lebensechte emotionale Wahrnehmung durch Fettings Augen gesehen offenlegen. Hiermit gibt Fetting einen äusserst intimen Einblick auf sein Leben und Schaffen frei. Denn der Betrachter hat weniger das Gefühl Fettings persönliche Welt durch dessen Kameralinse zu betrachten, als vielmehr direkt durch die reale Linse des fotografierenden Malerauges zu schauen. Ob die Fotografien als eigenständiger Teil seines künstlerischen Schaffens betrachtet werden können, sei dahingestellt. Der Fotoband erhebt auch in keiner Weise den Anspruch hierauf. Selbst dann nicht, wenn bei Erscheinen des Bandes Ende 2012 ein Teil der Fotografien in der Galerie Deschler Berlin ausgestellt wurden: limitierte Auflagen, teilweise in musealem Grossformat. Bei Deschler erhielt ich auch das in der Artcore Photobook Collection befindliche, von Rainer Fetting signierte Exemplar.

Jedenfalls findet aber jeder, der sich mit den künstlerischen Arbeiten Fettings – also vor allem mit seiner Malerei – beschäftigt, in den Fotografien vielfache Bezüge zu seinem malerischen Werk und genauso auch umgekehrt. Fast könnte man meinen, dass zahlreiche Fotografien als Malvorlagen für seine Gemälde dienten. Natürlich hat Fetting ausschliesslich nach lebenden Modellen gemalt. Dokumentiert werden in diesem Band jedenfalls ohne Frage Rainer Fettings fotografierten “innere Bilder”, vergleichbar damit, wie er sie eben auch auf seinen Leinwänden festgehalten hat. Unter diesem Aspekt der Visualisierung seiner “inneren Bilder” gleichen sich verständlicherweise die gewählten Motive der Fotografien und die seiner Malerei. Sofern die Begrifflichkeit “expressiver Duktus” auf künstlerische Fotografie übertragbar ist, dann zu Recht bei vielen von Fettings Fotografien. Aber wen wundert das jetzt schon!?

Das Who is Who der Neuen Wilden und von Fettings Oeuvre-Themen

Desmond Cadogan, wohl das meistgemalte Modell Fettings, finden wir neben vielen anderen seiner Modelle in zahlreichen der gezeigten Fotografien wieder. Genauso finden wir Fotos vieler seiner Künstlerfreunde aus der Berliner Zeit wie von Salomé, Helmut Middendorf, Martin Kippenberger, Bernd Zimmer, Markus Lüpertz sowie zahlreiche Selfs. Ausserdem sehen wir Fotografien aus der Galerie am Moritzplatz und seinen anderen Ateliers, von der Berliner Mauer, von duschenden Jünglingen in einem Berliner Schwimmbad, von New Yorker Häuserschluchten und nächtlichen Szenen der Straßen Manhattans mit ihren yellow cabs, Fotografien von Vernissagen und deren illustren Besuchern sowie auch Fotografien der bunten Lifeguard Stands an den Stränden von Miami Beach, Großbaustellen in Berlin und zu Ende des Bandes auch Fotografien von den Dünen und Wellen der Insel Sylt, wo Fetting heute unter anderem malt und lebt. Das sind alles auch die Hauptmotive seines malerischen Oeuvres. So kann man den vorliegenden Band gewissermassen auch als eine Art persönliches Fotoskizzenbuch Fettings ansehen, welches dem Interessierten ein tieferes Verständnis zu seinem künstlerischen Werk gibt.

Der Fotoband ist mir unter dokumentarischen Aspekten einer Zeitepoche eine uneingeschränkte Sammelempfehlung wert. Der ehemalige gebundene Ladenpreis von 98 € wurde mittlerweile auf 39,95 € reduziert (Stand Anfang 2017). Schauen wir also einmal, wie lange es diesen Fotoband noch neu und verlagsfrisch auf dem Fotobuchmarkt zu erwerben gibt.

>>> // Eine abgewandelte Form dieser Fotobuchbesprechung wurde erstmals 2012 von Dirk B. Schmitz online unter dem Pseudonym Dee Bee Smith veröffentlicht © Dirk B. Schmitz, Hamburg // <<<

>>> // Beitragsfoto oben: Dirk B. Schmitz, Hamburg © //<<<

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